Womit 412 Betriebswebsites gebaut sind — und was das über sie sagt
„Braucht ihr WordPress oder reicht ein Baukasten?“ ist die Frage, die in jedem zweiten Beratungsgespräch kommt. Inzwischen kommt „oder gleich mit KI?“ dazu — ein Forschungsteam von Stanford, Imperial College London und Internet Archive kommt für Mitte 2025 auf rund 35 Prozent neuer Websites, die mit KI-Hilfe entstanden.
Die Antwort vorweg: Es macht kaum einen Unterschied. Und weil das nach Ausweichen klingt, haben wir nachgerechnet — an 412 Betriebswebsites, die wir vorgestellt haben.
Was wir gemacht haben
Jede Startseite abgerufen und im Quelltext nachgesehen, welches System sie ausliefert. Vier Gruppen: Redaktionssysteme (WordPress, TYPO3, Contao, Joomla, Drupal), Baukästen (Webflow, Wix, Squarespace), Seiten über einen KI-Anbieter und kein erkennbares System.
Das Ergebnis
Beide Werte gehen von 0 bis 100, höher ist besser. Es sind dieselben Zahlen, die dir PageSpeed Insights ausgibt, wenn du deine eigene Adresse eingibst.
| Bauweise | Seiten | Ladezeit | Barrierefreiheit | |—|—|—|—| | Redaktionssystem | 292 | 85 | 75 | | kein System erkennbar | 77 | 91 | 92 | | Baukasten | 31 | 79 | 72 | | über einen KI-Anbieter | 5 | 89 | 91 | | nicht erreichbar | 7 | — | — |
Die sieben in der letzten Zeile antworteten am Messtag nicht. Sie stecken in der Gesamtzahl 412, aber in keinem Mittelwert: Der steht jeweils für die Seiten, die geantwortet haben — bei der Ladezeit 395, bei der Barrierefreiheit 394.
Zur Herkunft der Zahlen: Das System haben wir am 2. August 2026 aus dem Quelltext gelesen, Ladezeit und Barrierefreiheit stammen aus der Messung bei der Aufnahme — meist aus dem Frühjahr 2026. Wer seither umgebaut hat, steht hier mit alten Werten.
Auf den ersten Blick sieht das nach einer Rangfolge aus. Ist es aber nicht.
Zwei WordPress-Seiten unterscheiden sich stärker voneinander als WordPress von Wix. Das ist der ganze Befund, und die Tabelle oben verdeckt ihn eher, als dass sie ihn zeigt.
Denn die Mittelwerte sagen nichts darüber, wie weit die Seiten *innerhalb* einer Gruppe auseinanderliegen. Und da wird es deutlich: Bei der Barrierefreiheit reicht die Spanne unter den 260 WordPress-Seiten von 1 bis 100. Bei den Baukästen genauso, von 1 bis 100. Die mittlere Hälfte der WordPress-Seiten liegt zwischen 55 und 98 — das ist kein gemeinsames Niveau, das sind zwei Welten unter demselben Etikett.
Man kann das ausrechnen, und die Zahl ist der eigentliche Befund:
Von allen Unterschieden zwischen 412 gemessenen Betriebswebsites erklärt die Bauweise 6,8 Prozent bei der Barrierefreiheit und 4,8 Prozent bei der Ladezeit. Die übrigen über 90 Prozent hängen an etwas anderem.
Wer wissen will, ob eine Seite etwas taugt, erfährt es also nicht daran, womit sie gebaut wurde.
Der Einwand, den wir uns selbst machen
Weltweit sieht das anders aus. Der HTTP Archive Web Almanac misst dieselben Werte über Millionen Seiten und findet dort sehr wohl einen Unterschied: Wix kommt bei der Barrierefreiheit auf einen Median von 95, WordPress auf 85. Beim Tempo auf dem Handy ist der Abstand noch größer.
Warum finden wir das nicht? Drei Gründe: Wir messen am Desktop, der Almanac mobil — dort fällt schweres Beiwerk stärker ins Gewicht. Unsere 31 Baukastenseiten sind keine 31 Wix-Seiten, sondern ein Gemisch aus Webflow, Wix, Squarespace und anderen; der Almanac trennt sie, und zwischen dem besten und dem schlechtesten liegen dort fast 20 Punkte. Und unsere Auswahl ist vorsortiert — wir stellen Betriebe vor, die uns aufgefallen sind.
Für dich heißt das: Auf dem Papier hat ein guter Baukasten einen Vorsprung. Auf den 412 deutschen Betriebsseiten, die wir gemessen haben, überdeckt ihn die Streuung innerhalb der Gruppen.
Und die KI-Baukästen?
Zuerst die Einschränkung, sonst liest sich das Ergebnis falsch: Der Quelltext verrät nicht, ob KI im Spiel war. Wix, Jimdo und die meisten Baukästen haben längst einen KI-Assistenten; ob ihn jemand benutzt hat, steht nirgends.
Wir haben deshalb nach den Anbietern gesucht, die sich vor allem über eine KI-Eingabe verkaufen — Durable, 10Web, B12, Framer, Hostinger. Gefunden haben wir fünf Seiten von 412: vier mit Framer, eine mit dem Hostinger Website Builder. Von Durable, 10Web und B12 keine einzige.
Und selbst diese fünf beweisen nichts über KI. Framer und Hostinger haben beide eine normale Oberfläche und lassen sich ohne KI bedienen. Der Quelltext sagt, welches Werkzeug benutzt wurde — nicht, wer die Seite entworfen hat.
Eine zweite Zahl zeigt in dieselbe Richtung. Der Bitkom hat 2025 für seine Studie „Digitalisierung des Handwerks“ 504 Betriebe befragt: 94 Prozent haben eine eigene Website — aber nur 4 Prozent setzen überhaupt KI ein. Zwei unabhängige Erhebungen, dieselbe Richtung.
Die fünf Seiten selbst sind ordentlich gebaut: Ladezeit 89, Barrierefreiheit 91, beides über dem Schnitt. Das belegt nichts, dafür ist die Zahl zu klein. Aber es widerspricht nicht dem, was uns ohnehin auffällt:
Wir haben nichts gegen Websites, die mit KI gebaut wurden. Manche laden schneller als das, was Agenturen für viel Geld von Hand bauen. Die Frage ist nicht, womit eine Seite entstanden ist, sondern ob sie funktioniert und ob man ihr ansieht, wessen Betrieb sie vertritt.
Woran es tatsächlich hängt
Wenn nicht am System, woran dann? Zwei Werte fallen in unseren Daten auf, und beide sind unabhängig von der Bauweise.
Barrierefreiheit ist überall das schwächste Feld. Über die 394 Seiten mit Messwert liegt der Mittelwert bei 78 von 100, mit einer Streuung, die größer ist als bei jedem anderen Wert: 82 Seiten liegen bei 55 oder darunter, 28 davon bei 25 oder darunter. Das sind keine exotischen Sonderfälle, das sind gewöhnliche Betriebsseiten, bei denen nie jemand nachgesehen hat. Was dahintersteckt und wen das Gesetz überhaupt trifft, steht in unserem Beitrag zur Ausnahme im Barrierefreiheitsgesetz.
Bei der KI-Auffindbarkeit sind praktisch alle schlecht. Unser Wert dafür setzt sich je zur Hälfte aus technischer Vorbereitung und tatsächlicher Auffindbarkeit zusammen; über 393 Seiten liegt er bei 34 von 100. Aussagekräftiger als der Mittelwert ist die Klumpung: 153 Seiten haben exakt den kleinsten möglichen Wert — das ist die Kombination aus einem erfüllten technischen Kriterium und einer Auffindbarkeit von null. Hier ist die Bauweise wirklich egal; es hängt daran, ob auf der Seite Sätze stehen, die eine Maschine zitieren kann.
Was wir nicht wissen
Drei Einschränkungen, ohne die die Zahlen mehr behaupten, als sie hergeben:
Die Stichprobe ist jung. Gemessen haben wir die 412 Vorstellungen, bei denen die Kundenadresse im Datenfeld steht — das sind fast ausschließlich Aufnahmen aus diesem Jahr. Zu den älteren haben wir meist auch eine Adresse, nur an anderer Stelle; sie fehlen hier.
Acht Seiten antworteten nicht. Sie zählen in der Gesamtzahl mit, aber in keinem Mittelwert. Vier davon liefen in einen Verbindungsfehler, zwei wiesen uns ab (Fehler 403), eine meldete eine Störung (503), eine bremste uns aus (429). Bei einer Messung an einem einzigen Tag ist das normal — es heißt nicht, dass diese Seiten dauerhaft offline sind.
„Kein System erkennbar“ ist eine Restkategorie. Dass sie am besten abschneidet, kann an handgebauten Seiten liegen — oder daran, dass schlanke Seiten weniger Spuren hinterlassen und deshalb schneller laden. Beides plausibel, keins belegt.
Fazit: Die Frage ist falsch gestellt
Was entscheidet, ist nicht das System, sondern ob nach dem Bauen jemand hingesehen hat. Ob die Kontraste stimmen. Ob die Telefonnummer antippbar ist. Ob ein Mensch, der die Seite zum ersten Mal sieht, in fünf Sekunden versteht, was der Betrieb macht. Das ist bei jedem System machbar und wird bei jedem System vergessen.
Deshalb ist „mit KI gebaut“ für uns kein Minuspunkt. Eine schnelle, verständliche, bedienbare Seite ist eine gute Seite — auch wenn sie an einem Nachmittag entstanden ist. Was wir anstreichen, ist etwas anderes: eine Seite, die aussieht wie tausend andere und über den Betrieb nichts sagt, den sie vertreten soll. Das kann eine KI verursachen. Eine Agentur mit einer Vorlage aber genauso.
Wie du das in zehn Minuten selbst prüfst, steht in unserem Selbsttest mit sechs Handgriffen. Und wenn du wissen willst, wie deine Seite im Vergleich zu 989 anderen dasteht, sieh dir an, was wir bei den Gebäudereinigern gemessen haben — unsere größte Gruppe.
Titelbild: Tima Miroshnichenko auf Pexels
Wissen, wo deine Seite wirklich steht?
Wir messen Ladezeit, Barrierefreiheit, SEO und KI-Auffindbarkeit — mit denselben Werkzeugen wie bei den 412 Seiten aus diesem Beitrag.