Website-Selbsttest: sechs Handgriffe, zehn Minuten
Bei den Seiten, die wir uns ansehen, hängt es fast immer an denselben paar Stellen. Und sie sind so gewöhnlich, dass sie niemandem mehr auffallen — dem Inhaber nicht, und dem Webdesigner, der sie gebaut hat, auch nicht. 989 veröffentlichte Vorstellungen aus 86 Branchen, vom Dachdecker bis zur Hausverwaltung, Stand 1. August 2026.
Dafür hast du jemanden, klar, und der macht seine Arbeit vermutlich gut. Aber er sieht deine Seite als Baustelle. Du musst sie einmal als Kunde sehen.
Deine Website selbst zu testen ist kostenlos und dauert zehn Minuten. Werkzeug brauchst du dafür keins: Fünf der sechs Handgriffe gehen mit Handy und Browser. Für einen brauchst du einen zweiten Menschen — der steht deshalb an zweiter Stelle, damit du ihn einplanen kannst.
1. Tipp auf deine eigene Telefonnummer
Nimm dein Handy. Nicht den Rechner, das Handy. Ruf deine Startseite auf und tipp auf die Nummer. Öffnet sich der Anrufdialog, ist die Nummer ein Link. Passiert nichts, hast du den ersten Befund.
Eine Telefonnummer, die kein Link ist, ist auf dem Handy keine Telefonnummer. Sie ist Dekoration.
Von allen Befunden auf dieser Liste wirkt dieser am schnellsten: Der Anruf findet nicht statt, und du erfährst nie davon. Wer ein Rohr sucht, das nicht mehr dicht ist, tippt einmal — und tippt dann beim Nächsten. Die gute Nachricht ist, dass es an der Einstellung hängt und nicht an der Bauweise. In jedem gängigen Redaktionssystem eine Sache von Minuten, und niemand muss dafür die Seite neu bauen.
2. Frag jemanden, der nicht weiß, was du machst
Zeig ihm deine Startseite für fünf Sekunden und nimm das Handy wieder weg. Dann frag drei Dinge:
- Was macht dieser Betrieb?
- Für wen?
- Wo?
Kommen alle drei Antworten, hast du bestanden. Kommt „irgendwas mit Technik“ zurück, steht auf deiner Startseite ein Satz wie „Ihr starker Partner für individuelle Lösungen“. Der sagt nichts, und er kostet dich die fünf Sekunden, in denen jemand entscheidet, ob er bleibt.
Findet sich niemand, geht auch die halbe Fassung: Lies deine erste Bildschirmseite laut vor und streich jeden Satz, der genauso bei einem Betrieb aus einer anderen Branche stehen könnte. Was übrig bleibt, ist dein Text. Der Ort gehört übrigens dazu — ein Betrieb ohne Ort ist für eine Suchmaschine kein lokaler Betrieb, und für die Person, die gerade einen in der Nähe sucht, auch nicht.
3. Miss, wie lange jemand wartet
Ruf PageSpeed Insights auf, gib deine Adresse ein und lass messen. Kostet nichts, dauert eine Minute.
Du bekommst zwei Werte. Wir bewerten am Desktop-Wert — nicht weil er wichtiger wäre, sondern weil ein Wechsel der Messmethode über tausend Bewertungen unvergleichbar machen würde. Der mobile Wert liegt in der Regel darunter, und er ist der, den deine Kunden erleben: auf der Baustelle, im Wartezimmer, in der Straßenbahn.
Ein niedriger Wert heißt nicht, dass deine Seite kaputt ist. Er heißt, dass jemand mit schlechtem Netz wartet — und Wartende gehen. Was daran hängt, steht in unserem Beitrag über die Ladezeit.
4. Such im Impressum die Zeile mit dem Paragrafen
Steht dort „§ 5 TMG“? Dann ist die Angabe veraltet. Das Telemediengesetz ist seit dem 14. Mai 2024 durch das Digitale-Dienste-Gesetz abgelöst, die Pflichtangaben stehen jetzt in § 5 DDG. Die Norm selbst musst du gar nicht nennen — Pflicht sind die Angaben, nicht die Fundstelle. Es ist trotzdem eine Zeile Arbeit, und sie verrät, wann zuletzt jemand hingesehen hat.
Teuer wird es an den Angaben. Fehlt die Rechtsform, der Vertretungsberechtigte, das Registergericht oder die Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, ist das eine Ordnungswidrigkeit nach § 33 Absatz 2 DDG — Geldbuße bis zu 50.000 Euro, und der übliche Anlass für Abmahnungen. Das ist die einzige Stelle auf dieser Liste, an der ein Fehler unmittelbar Geld kostet.
Führst du eine Praxis oder eine Kanzlei, kommen drei Zeilen dazu, und genau die fehlen fast immer: die zuständige Kammer, die gesetzliche Berufsbezeichnung samt Staat, in dem sie verliehen wurde, und wo die berufsrechtlichen Regelungen nachzulesen sind. Ein Handelsregistereintrag steht dort meistens gar nicht.
5. Such dich bei Google — aber nicht mit deinem Namen
Dass du unter deinem eigenen Namen gefunden wirst, ist keine Kunst. Interessant ist die Suche, die jemand eingibt, der dich noch nicht kennt: „Dachdecker Siegburg“. „Zahnarzt Troisdorf Angstpatienten“. „Gebäudereinigung Hamburg Büro“. Also Leistung plus Ort.
Steht dein Betrieb auf der ersten Seite? Im Kartenausschnitt oben? Oder stehen dort drei Portale und ein Wettbewerber? Das Ergebnis kann unangenehm sein, und es ist nur ein Ausschnitt — Suchergebnisse hängen am Standort und an der Vorgeschichte des Geräts. Aber es ist der Ausschnitt, den dein Kunde sieht.
Wie andere Betriebe derselben Branche ihre Seiten aufgebaut haben, siehst du bei den Gebäudereinigern — mit 83 veröffentlichten Vorstellungen unsere größte Gruppe.
6. Frag eine KI nach deiner Branche
Der ist neu. Öffne ChatGPT, Gemini oder Perplexity und stell die Frage, die ein Kunde stellen würde: „Wer ist ein guter Elektriker in Bonn?“ Und dann die Nachfrage: Woher weißt du das? Frag dabei nicht nach deinem Firmennamen — die Runde gewinnt jeder.
Eine Antwort ist keine Messung. KI-Antworten schwanken von Tag zu Tag, je nachdem, ob das Modell gerade im Netz sucht oder aus dem Gedächtnis spricht. Deshalb: drei Fragen an drei Tagen, morgens. Kommst du in keiner davon vor, ist das keine Schwankung.
Du misst damit keinen Rang, du prüfst, ob es dich gibt. Und du suchst eine zweite Auskunft: Welche Quelle wird genannt? Die ist die Seite, die gerade für dich arbeitet. Kommst du nicht vor, erfährst du wenigstens, wer an deiner Stelle steht. Wie sich das Suchverhalten dadurch verschiebt, steht in unserem Beitrag darüber, wie die KI-Suche das Finden verändert.
Was der Test nicht kann
Barrierefreiheit siehst du so nicht. Dafür braucht es die Tastatur, den Zoom und einen Blick ins Redaktionssystem — drei Handgriffe dafür stehen in unserem Beitrag zum Barrierefreiheitsgesetz. Und er sagt dir nicht, was du zuerst anpacken sollst. Sechs Befunde sind schnell gesammelt; die Reihenfolge ist die eigentliche Arbeit.
Fazit: Zehn Minuten, sechs Antworten
Du weißt danach, ob dich jemand vom Handy aus anrufen kann, ob Fremde in fünf Sekunden verstehen was du machst, wie lange deine Seite lädt, ob dein Impressum aktuell ist, ob du ohne deinen Namen gefunden wirst und ob eine KI dich kennt. Sechs Antworten, die du vorher nicht hattest, und keine davon kostet Geld.
Nicht hinzusehen kostet länger.
Titelbild: Artem Podrez auf Pexels
Lieber gemessen als geschätzt?
Wir sehen uns deine Website nach denselben Kriterien an wie 989 andere — Ladezeit, Barrierefreiheit, SEO, Gestaltung und KI-Auffindbarkeit.