Auf deine Telefonnummer kann man nicht tippen

Zwei Handybildschirme nebeneinander. Links eine Telefonnummer als reiner Text, beim Antippen passiert nichts. Rechts dieselbe Nummer als Link, beim Antippen öffnet sich der Anrufdialog. Darunter das Ergebnis der Stichprobe: 39 von 147 Seiten haben keinen Link.

„Die Nummer steht doch da.“ Stimmt. Sie steht da.

Nur ist Dastehen auf einem Handy nicht dasselbe wie Funktionieren. Wenn die Nummer kein Link ist, passiert beim Antippen nichts. Kein Anrufdialog, keine Rückfrage, nichts. Wer trotzdem anrufen will, muss die Nummer merken oder markieren — und markieren funktioniert auf dem Handy ungefähr so gut, wie es klingt.

Wir haben nachgezählt, wie oft das vorkommt.

Die Zahl

Bei 39 von 147 geprüften Betriebswebsites — 26,5 Prozent — ist die Telefonnummer im ausgelieferten HTML kein tel-Link und lässt sich auf dem Handy nicht antippen.

Zur Einordnung, weil das dazugehört: Die Stichprobe umfasst 150 Domains aus unseren 963 vorgestellten Betrieben, gezogen als jede 6,4. aus der sortierten Liste, abgerufen am 1. August 2026. Drei Seiten waren nicht erreichbar. Gezählt wurde nur, was im ausgelieferten Quelltext steht — eine Nummer, die erst JavaScript nachträglich verlinkt, zählt hier als nicht verlinkt. Das ist die vorsichtige Richtung: Der echte Anteil dürfte etwas niedriger liegen.

Auch dann bleibt es rund jede vierte Seite.

Warum das mehr kostet als es aussieht

Der Verlust ist unsichtbar, und das ist das Problem.

Ein Besucher, der nicht anrufen kann, beschwert sich nicht. Er schreibt keine Mail und hinterlässt keine Spur in der Statistik. Er geht zurück in die Trefferliste und tippt auf den Nächsten. In deinen Zahlen sieht das aus wie ein Besucher, der sich die Seite angesehen hat.

Bei Notdiensten, Schlüsseldiensten und allem, was am selben Tag gebraucht wird, ist der Anruf nicht ein Weg von mehreren. Er ist der Weg. Wie Betriebe in so einem Feld ihre Seiten aufgebaut haben, siehst du bei den Schlüsseldiensten.

Wie du es prüfst

Nimm dein Handy, nicht den Rechner. Ruf deine Startseite auf und tipp auf die Nummer. Öffnet sich der Anrufdialog, ist alles gut. Passiert nichts, hast du den Befund.

Prüf danach die zweite Stelle, die fast immer vergessen wird: die Kontaktseite. Und die dritte: die Fußzeile, die auf jeder Unterseite mitläuft. Häufig ist eine davon verlinkt und die anderen beiden nicht — verlinkt wurde die eine, an die jemand gedacht hat.

Wie du es reparierst

Es ist eine Zeile.

„`html <a href=“tel:+4922471234567″>02247 123 45 67</a> „`

Zwei Dinge dazu. Die Nummer im `href` steht international, also mit `+49` und ohne die führende Null, ohne Leerzeichen und ohne Klammern. Sichtbar darf sie stehen, wie du sie immer schreibst — der Link und die Anzeige sind zwei verschiedene Dinge.

In gängigen Redaktionssystemen brauchst du dafür kein HTML. Nummer markieren, Link einfügen, und statt einer Adresse `tel:+4922471234567` eintragen. Das war es. Wer dir dafür einen Umbau verkaufen will, hat nicht nachgesehen.

Dasselbe gilt für die Mailadresse: `mailto:` statt Text. Und für die Anschrift, die auf ein Kartenprogramm zeigen darf.

Warum es sich lohnt, das heute zu machen

Eine Telefonnummer klickbar zu machen ist die billigste Verbesserung, die eine Betriebswebsite kennt. Sie kostet keine Abstimmung, kein Budget und keinen Termin — und sie wirkt ab der Sekunde, in der sie live ist.

Vergleich das mit dem, was sonst auf der Liste steht. Ein neuer Text braucht einen Nachmittag. Bessere Bilder brauchen einen Fotografen. Eine schnellere Seite braucht jemanden, der sich auskennt. Alle drei lohnen sich, alle drei dauern.

Der `tel:`-Link dauert zehn Minuten und betrifft den einen Weg, über den bei den meisten Betrieben das Geschäft tatsächlich hereinkommt. Wer eine Liste mit zwanzig Punkten hat und nicht weiß, wo er anfangen soll: hier.

Der Handgriff daneben

Wenn du schon am Handy bist: Ist die Nummer überhaupt zu finden, ohne zu scrollen?

Bei den meisten Seiten steht sie im Kopfbereich am Rechner und rutscht auf dem Handy unter das Menü. Ein Betrieb, dessen Kunden anrufen, gehört die Nummer in die erste Bildschirmhöhe — als Text, nicht als Symbol. Ein Telefonhörer ohne Beschriftung ist für Screenreader stumm und für ältere Kunden ein Rätsel.

Was sonst noch auf jede Seite gehört, steht in unserem Beitrag zu den Website-Must-haves. Warum das Ganze am Handy anders aussieht als am Rechner, steht in unserem Beitrag über responsives Design.

Was du dabei nicht tun solltest

Zwei Dinge kommen regelmäßig vor und machen es schlechter.

Die Nummer als Bild. Das war einmal ein Schutz gegen Adresssammler, und es ist heute ein Schaden: Ein Bild ist nicht antippbar, nicht kopierbar, für Screenreader stumm und für Suchmaschinen unlesbar. Wer Sorge vor Anrufen hat, die er nicht will, löst das nicht mit einem Bild — die Nummer steht ohnehin im Impressum.

Nur ein Symbol ohne Text. Ein Telefonhörer allein ist für jemanden mit Sehbehinderung nichts, und für viele ältere Kunden ein Ratespiel. Symbol und Nummer zusammen kosten nichts extra.

Und eine Sache, die man tun sollte: Sag daneben, wann jemand rangeht. „Mo–Fr 7–17 Uhr“ unter der Nummer verhindert den Anruf um 19 Uhr, der ins Leere geht — und der Anrufer kommt am nächsten Morgen wieder statt gar nicht.

Fazit: Eine Zeile, jeden Tag

Rund jede vierte Betriebsseite in unserer Stichprobe verschenkt Anrufe an einer Stelle, die in zehn Minuten repariert ist. Kein Relaunch, kein Budget, kein Termin mit der Agentur.

Eine Telefonnummer, die kein Link ist, ist auf dem Handy keine Telefonnummer. Sie ist Dekoration.