Google ist für deinen Betrieb nicht tot — für deinen Ratgeber schon

Zwei gegenläufige Balkenpaare. Bei lokalen Suchanfragen erscheint das Local Pack in 93 Prozent der Fälle, eine KI-Übersicht in 15 Prozent. Bei informationalen Suchanfragen erscheint eine KI-Übersicht in 92 Prozent der Fälle, das Local Pack in 6 Prozent.

„Überall steht, KI killt Google. Soll ich jetzt aufhören zu investieren?“

Die Frage ist berechtigt, und die Antwort darauf ist unbefriedigend kurz: Es kommt darauf an, welche Suche gemeint ist. Denn „die Suche“ gibt es nicht. Es gibt mindestens zwei, und sie entwickeln sich gerade in entgegengesetzte Richtungen.

Die Zahlen, um die es geht

Whitespark hat am 12. Mai 2025 eine Auswertung von 540 Suchanfragen aus drei US-Städten und sechs Branchen veröffentlicht.

Bei Suchanfragen mit lokaler Absicht erschien in einer Whitespark-Untersuchung vom 12. Mai 2025 in 93 Prozent der Fälle das Local Pack und nur in 15 Prozent eine KI-Übersicht — bei informationalen Anfragen kehrte sich das Verhältnis um. Dort standen KI-Übersichten in 92 Prozent der Fälle und das Local Pack in 6 Prozent.

Für Deutschland gibt es keine vergleichbare Erhebung. Was es gibt: SISTRIX berichtete am 25. Februar 2026, dass KI-Übersichten bei rund 20 Prozent der deutschen Suchanfragen erscheinen.

Was daran wichtig ist — und was nicht

Zuerst die Einschränkung, weil sie nicht in eine Fußnote gehört: Die Whitespark-Daten sind amerikanisch. Drei Städte, sechs Branchen, ein Zeitpunkt. Wer daraus deutsche Prozentzahlen macht, rechnet mit fremdem Geld. Eine deutsche Entsprechung existiert nicht, und das ist keine Kleinigkeit — Local Packs, Kartenanbieter und Nutzungsgewohnheiten unterscheiden sich.

Was trotzdem trägt, ist die Richtung, und die ist in beiden Erhebungen dieselbe: Je konkreter die Suche auf ein Geschäft in der Nähe zielt, desto seltener antwortet eine KI und desto häufiger stehen Karte und Betriebe oben. Je allgemeiner die Frage, desto eher übernimmt die Maschine.

Warum das für einen Betrieb gute Nachrichten sind

Deine Kundschaft sucht selten allgemein.

„Heizung tropft Sonntag Siegburg.“ „Zahnarzt Angstpatienten Troisdorf.“ „Dach undicht wer kommt schnell.“ Das sind Anfragen mit Ort, Dringlichkeit und einer Absicht, die keine Antwort in Textform erfüllt. Da hilft kein Absatz. Da hilft eine Nummer.

Genau diese Anfragen sind die, bei denen das Local Pack erscheint — und in dem Moment entscheidet, was in deinem Profil und auf deiner Seite steht. Wie Betriebe eines solchen Fachs ihre Seiten aufgebaut haben, siehst du bei den Dachdeckern.

Und wo es tatsächlich weh tut

Bei allem, was erklärt.

„Was kostet ein neues Dach?“ „Wie oft muss die Heizung gewartet werden?“ „Welche Zahnfüllung hält länger?“ Das sind die Texte, mit denen Betriebe seit Jahren Reichweite aufgebaut haben — der Ratgeberteil der Website. Und das ist der Bereich, in dem eine KI-Übersicht die Antwort schon oben hinschreibt.

Der Klick fällt weg. Nicht der Auftrag, aber der Klick, mit dem der Auftrag früher anfing.

Wer seine Sichtbarkeit fast vollständig auf Ratgebertexte gebaut hat, verliert gerade Boden. Wer sie auf Leistung, Ort und Erreichbarkeit gebaut hat, kaum.

Was du daraus machst

Nicht aufhören. Umschichten.

Die Arbeit, die früher in den fünfzehnten Ratgeberbeitrag ging, gehört jetzt in die Seiten, die eine Leistung an einem Ort beschreiben — vollständig, mit Preisrahmen, Ablauf, Erreichbarkeit. Das sind die Seiten, die im Local Pack gewinnen und die eine KI zitiert, wenn sie doch einmal antwortet.

Und die Ratgebertexte, die du hast, werden dadurch nicht wertlos. Sie werden zu etwas anderem: zu dem Material, aus dem Maschinen ihre Antwort bauen. Wenn dein Name dabei fällt, hast du gewonnen, auch ohne Klick. Was sich dadurch verschiebt, steht in unserem Beitrag über die KI-Suche, und wie die lokale Seite davon funktioniert, in unserem Beitrag über lokales SEO.

Was das konkret für eine Woche Arbeit heißt

Nimm die Seite, die deine wichtigste Leistung beschreibt, und lies sie einmal als jemand, der dich nicht kennt und ein Problem hat.

Steht dort, was die Leistung kostet — wenigstens als Rahmen? Steht dort, wie lange es dauert und was du dafür brauchst? Steht dort der Ort, und zwar nicht nur im Impressum? Steht dort, was passiert, nachdem jemand anruft?

Vier Fragen, und bei den meisten Betriebsseiten bleibt bei mindestens zwei die Antwort offen. Genau diese Lücken sind es, die eine Suchmaschine wie eine KI gleichermaßen nicht füllen kann — und deshalb füllt sie jemand anders.

Der Aufwand dafür ist überschaubar und er ist unbeliebt, weil er nicht nach Marketing aussieht. Er sieht nach Aufschreiben aus. Das ist er auch.

Was du dabei nicht brauchst: einen zweiten Ratgeberbeitrag zu einem Thema, das eine KI ohnehin in drei Sätzen beantwortet. Die Zeit ist besser in der Seite aufgehoben, die deinen Auftrag beschreibt.

Der Einwand, der bleibt

Das alles ist eine Momentaufnahme.

Google baut die Ergebnisseite seit zwei Jahren im Quartalstakt um. Dass lokale Suchen heute weitgehend unberührt sind, ist kein Naturgesetz, sondern eine Entscheidung — und sie kann kippen. Wer daraus Ruhe ableitet, hat zu viel gelesen.

Was nicht kippt, ist die Grundlage: Ein Betrieb, dessen Leistungen, Ort und Erreichbarkeit sauber auf einer eigenen Seite stehen, ist in jeder dieser Welten auffindbar. In der alten über den Treffer, in der neuen über das Zitat.

Was wir selbst daran gemessen haben

Wir prüfen bei jeder Aufnahme, ob eine KI den Betrieb kennt und nennt — mit denselben Fragen, die ein Kunde stellen würde, gestellt an mehrere Assistenten an verschiedenen Tagen.

Das Muster darin passt zu den Zahlen oben. Fragen nach einer Leistung in einer Stadt beantworten die Modelle zurückhaltend und oft mit dem Hinweis, man solle in einem Kartendienst nachsehen. Fragen nach einem Sachverhalt beantworten sie ausführlich — und nennen dabei Quellen, meistens Portale und selten Betriebe.

Für einen Betrieb heißt das: In der Antwort zu stehen ist möglich, aber es passiert über den erklärenden Teil deiner Seite, nicht über den werbenden. Wer zitiert werden will, muss etwas geschrieben haben, das man zitieren kann.

Und es heißt auch: Wer heute nirgends vorkommt, hat kein KI-Problem. Er hat ein Grundlagenproblem, und das ist dasselbe wie vor fünf Jahren.

Fazit: Die Frage ist falsch gestellt

„Lohnt sich SEO noch“ ist keine Frage, die man mit ja oder nein beantwortet. Für den Ratgeberteil ist die Antwort ungemütlich. Für den Teil, an dem dein Geschäft hängt, ist sie unverändert.

Nicht die Suche stirbt. Der Umweg stirbt.