In zwei Minuten sehen, womit eine Website gebaut ist
Jemand ruft 6.000 Euro für deine neue Website auf. Im Quelltext der Beispielseite steht ein Standard-Baukasten mit einer gekauften Vorlage. Das ist kein Betrug — aber es ist eine Frage wert, und du kannst sie nur stellen, wenn du es weißt.
Dafür ist dieser Handgriff da. Er dauert zwei Minuten, kostet nichts, und du brauchst niemanden dafür.
Drei Situationen, in denen die Antwort etwas ändert:
- Du bekommst ein Angebot. Siehe oben. Umgekehrt gilt genauso: Ein hoher Preis für saubere Handarbeit kann jeden Cent wert sein.
- Du willst irgendwann umziehen. Was in einem Baukasten steckt, kommt dort meistens nicht sauber wieder heraus. Wer das vorher weiß, plant anders.
- Du suchst jemanden, der die Seite pflegt. Für WordPress findest du in jeder Stadt jemanden. Für ein System, das eine Agentur selbst gebaut hat, findest du genau diese Agentur — und niemanden sonst.
Am Montag haben wir aufgeschrieben, dass die Bauweise weniger über die Qualität sagt, als man denkt. Das gilt weiter. Für diese drei Fragen ist die Antwort trotzdem nützlich.
1. Den Quelltext öffnen
Ruf die Seite in einem Browser auf und drück Strg+U. Auf dem Mac ist es Cmd+Alt+U in Chrome und Edge, aber Cmd+U in Firefox — und in Safari erscheint gar nichts, solange du nicht in den Einstellungen unter „Erweitert“ das Entwicklermenü eingeschaltet hast.
Es öffnet sich ein Fenster voller Text. Das ist der Quelltext: das, was der Server ausliefert, bevor der Browser eine Seite daraus baut.
Du liest das gerade wahrscheinlich auf dem Handy. Dort geht Strg+U nicht. Der Umweg: In Chrome und Firefox schreibst du `view-source:` direkt vor die Adresse — also `view-source:deinbetrieb.de`. Safari auf dem iPhone kann es gar nicht; dort brauchst du einen Rechner.
Erschrick nicht vor dem, was da steht. Der Quelltext sieht bei jeder Website unübersichtlich aus, auch bei sehr guten. Du musst ihn nicht verstehen — du suchst zwei Wörter darin, mehr nicht.
2. Nach dem Wort „generator“ suchen
Drück Strg+F und tipp `generator`. Viele Systeme tragen sich dort selbst ein, mit Name und oft mit Versionsnummer:
„` <meta name=“generator“ content=“WordPress 6.8.1″> „`
Findest du diese Zeile, bist du fertig. Findest du sie nicht, heißt das nicht, dass die Seite von Hand gebaut ist — manche Systeme tragen sich nicht ein, und bei WordPress lässt sich die Zeile mit einer einzigen Einstellung entfernen.
3. Nach Spuren suchen, wenn nichts dasteht
Dann hilft die zweite Methode: Systeme laden ihre Dateien von eigenen Adressen, und die stehen im Quelltext. Such nach diesen Bruchstücken:
| Fundstelle | Dahinter steckt | |—|—| | `wp-content` oder `wp-includes` | WordPress | | `wixstatic` oder `parastorage` | Wix | | `jimstatic` | Jimdo | | `squarespace` | Squarespace | | `webflow` | Webflow | | `framerusercontent` | Framer | | `typo3temp` oder `typo3conf` | TYPO3 (bei neueren Fassungen oft nicht mehr) | | `cdn.shopify` | Shopify |
Welches System eine Website ausliefert, steht in ihrem Quelltext: Die Tastenkombination Strg+U öffnet ihn, und die Suche nach dem Wort generator zeigt die Kennung. Findest du weder das eine noch das andere, ist die Seite entweder von Hand gebaut oder mit einem Werkzeug, das keine Spuren hinterlässt.
Was du damit nicht herausfindest
Ob KI im Spiel war. Das ist die Frage, die gerade alle stellen, und der Quelltext beantwortet sie nicht. Wix, Jimdo und die meisten anderen Baukästen bieten inzwischen einen KI-Assistenten an — ob jemand ihn benutzt hat oder die Seite von Hand zusammengesetzt hat, steht nirgends.
Eindeutig sind nur die Systeme, bei denen es keinen anderen Weg gibt: Durable, 10Web, B12. In unserer Auswertung von 412 Betriebswebsites waren das fünf Seiten. Fünf.
Ob die Seite gut ist. Dazu gleich mehr.
Und etwas, das in keinem Ratgeber zu dieser Frage steht: Die kostenlosen Erkennungswerkzeuge sind veraltet. Fast alle empfehlen Wappalyzer — dessen frei nutzbare Signaturdatenbank wurde 2023 ins kommerzielle Produkt überführt. Die freien Nachfolger arbeiten seither mit dem eingefrorenen Stand und erben dieselben blinden Flecken.
Was du stattdessen prüfen solltest
Wenn du schon im Browser bist, sind das die vier Dinge, die tatsächlich etwas über die Seite aussagen — bei jedem System dieselben:
- Tipp auf die Telefonnummer. Öffnet sich der Anrufdialog? Wenn nicht, ist die Nummer auf dem Handy Dekoration. Bei jeder vierten Betriebswebsite aus unserer Stichprobe ist das so.
- Lass die Seite von jemandem ansehen, der deinen Betrieb nicht kennt. Fünf Sekunden. Dann frag: Was machen die, für wen, wo?
- Miss die Ladezeit mit PageSpeed Insights. Kostenlos, dauert eine Minute, und du bekommst dieselbe Zahl, mit der wir arbeiten.
- Sieh dir das Impressum an. Steht dort noch „§ 5 TMG“? Das Gesetz ist seit Mai 2024 abgelöst.
Alle vier sind unabhängig vom System, und alle vier werden bei jedem System gleich häufig vergessen. Ausführlicher steht das in unserem Selbsttest mit sechs Handgriffen.
Was du mit der Antwort anfängst
Du hast jetzt einen Namen. Die nächste Frage ist die an denjenigen, der deine Seite betreut:
- Steht dort ein Baukasten? „Wenn ich in drei Jahren umziehen will — komme ich an meine Texte und Bilder heran, und in welchem Format?“
- Steht dort WordPress? „Wer hält die Aktualisierungen nach, und wie oft?“ Ein WordPress ohne Pflege ist der häufigste Weg, wie eine Betriebsseite gekapert wird.
- Steht gar nichts da? „Wer außer dir kann an dieser Seite arbeiten?“
Eine gute Antwort ist konkret. Eine schlechte ist „das machen wir schon“.
Ein Hinweis noch zur Ehrlichkeit dieser Methode: Sie zeigt, was die Seite ausliefert, nicht wer sie gebaut hat. Eine Agentur, die auf WordPress arbeitet, hinterlässt dieselbe Spur wie jemand, der sich das Ding an einem Wochenende selbst zusammengeklickt hat. Der Quelltext beantwortet die Frage nach dem System, nicht die nach der Sorgfalt.
Fazit: Zwei Minuten für eine bessere Frage
Der Quelltext sagt dir nicht, ob deine Seite gut ist. Er sagt dir, worauf du dich eingelassen hast — und das ist genau die Information, die dir in einem Gespräch über Geld fehlt.
Wir haben nichts gegen Baukästen und nichts gegen KI. Wir haben etwas gegen Seiten, denen man nicht ansieht, wessen Betrieb sie vertreten. Wie das aussehen kann, siehst du bei den Gebäudereinigern — 84 Betriebe, jeder mit denselben sechs Werten gemessen.
Titelbild: ThisIsEngineering auf Pexels
Lieber gleich das Ergebnis?
Wir sehen uns deine Seite nach denselben Kriterien an wie 989 andere — Ladezeit, Barrierefreiheit, SEO, Gestaltung und KI-Auffindbarkeit.