Ein Drittel der Betriebe, die wir vorgestellt haben, steht in NRW

Balkendiagramm der sieben stärksten Bundesländer im Bestand: Nordrhein-Westfalen 325, Berlin 97, Baden-Württemberg 96, Sachsen 90, Bayern 87, Hessen 72, Hamburg 50. Sachsen liegt vor Bayern.

Seit einem guten Jahr sehen wir uns Websites kleiner Betriebe an, immer nach denselben Kriterien: Ladezeit, Bedienung, Technik, Suchmaschinen, Barrierefreiheit, KI-Auffindbarkeit. Inzwischen sind es 989 veröffentlichte Vorstellungen aus 86 Branchen und 139 Regionen, verteilt auf 963 Betriebe.

Wenn man diesen Stapel einmal nach Bundesländern auszählt, kommt etwas heraus, das wir selbst nicht erwartet hätten.

Von 989 Betriebswebsites, die besserimweb.de bis zum 1. August 2026 vorgestellt hat, entfallen 325 auf Nordrhein-Westfalen — 32,9 Prozent.

Der Satz, der in den zweiten Absatz gehört

Das ist unser Bestand, keine Marktstichprobe.

Wir haben diese Betriebe nicht ausgelost. Wir haben sie aufgenommen — teils weil sie sich beworben haben, teils weil wir sie gesucht haben, und gesucht wird zuerst dort, wo man sich auskennt. Wer daraus liest, dass in NRW ein Drittel des deutschen Handwerks sitzt, hat die Zahl missverstanden. Sie sagt etwas über uns.

Genau deshalb ist sie trotzdem interessant. Denn die Verteilung darin ist nicht gleichmäßig, und die Ausreißer erklären sich nicht mit unserer Postleitzahl.

Die Reihenfolge

| Bundesland | Vorstellungen | Anteil | |—|—:|—:| | Nordrhein-Westfalen | 325 | 32,9 % | | Berlin | 97 | 9,8 % | | Baden-Württemberg | 96 | 9,7 % | | Sachsen | 90 | 9,1 % | | Bayern | 87 | 8,8 % | | Hessen | 72 | 7,3 % | | Hamburg | 50 | 5,1 % | | Bremen | 44 | 4,4 % | | Niedersachsen | 44 | 4,4 % |

Stand 1. August 2026, alle 16 Bundesländer belegt.

Sachsen vor Bayern

Das ist die Zeile, die uns aufgefallen ist. Bayern hat rund 13 Millionen Einwohner, Sachsen gut 4 Millionen. In unserem Bestand liegt Sachsen mit 90 Vorstellungen vor Bayern mit 87.

Man kann daraus zwei Dinge lesen, und nur eines davon trägt.

Nicht tragfähig ist: „In Sachsen sind die Betriebe digitaler.“ Dafür ist das hier die falsche Datenbasis. Tragfähig ist: In Sachsen und in Berlin haben wir über Monate mehr Betriebe gefunden, deren Seiten eine Vorstellung wert waren, als in einem doppelt so großen Flächenland. Das ist eine Aussage über Auffindbarkeit — die Betriebe waren im Netz zu finden, mit einer Seite, die mehr ist als eine Visitenkarte.

Noch deutlicher ist die letzte Zeile. Bremen hat mit 44 Vorstellungen genauso viele wie Niedersachsen — bei einem Zwanzigstel der Einwohner. Das ist kein Befund über Bremen. Das ist ein Befund über Niedersachsen, und zwar über uns in Niedersachsen.

Warum ein Vergleich der Bundesländer hier schwierig ist

Es liegt nahe, aus so einer Tabelle einen Vergleich zu bauen: Wer ist vorn, wer hinkt hinterher, wo steht die Digitalisierung im Handwerk gut da. Genau davor warnen wir — und zwar aus drei Gründen, die alle drei gegen uns sprechen.

Erstens fehlt die Grundgesamtheit. Um zu sagen, dass ein Bundesland schlechter dasteht, müsste man wissen, wie viele Betriebe es dort insgesamt gibt und wie viele davon eine Website haben. Beides steht in dieser Tabelle nicht. Sie zählt, wen wir angesehen haben, nicht wen es gibt.

Zweitens ist die Auswahl nicht zufällig. Aufgenommen wird, wer sich bewirbt oder wen wir finden. Beides hängt an Sprache, an Netzwerken, an dem, was uns gerade beschäftigt hat. Eine Woche, in der wir uns Hausverwaltungen angesehen haben, verschiebt die Landkarte messbar — Hausverwaltungen sitzen anders im Land verteilt als Dachdecker.

Drittens verändert sich der Stand ständig. Als der Redaktionsplan für diesen Beitrag entstand, standen dort 940 Vorstellungen und 983 Domains. Beim Schreiben waren es 989 und 963. Der Unterschied bei den Domains ist kein Zählfehler: Wir haben in derselben Woche Doppelaufnahmen zusammengeführt, elf Domains mit je zwei Beiträgen. Jede veröffentlichte Zahl braucht deshalb ein Datum daneben, sonst ist sie in vier Wochen falsch, ohne dass jemand etwas geändert hat.

Was dieser Vergleich also kann: zeigen, wo wir hingesehen haben. Was er nicht kann: sagen, wo es besser oder schlechter aussieht.

Was die Branchen dazu sagen

Die sieben größten Gruppen sind Gebäudereiniger (84), Hausverwaltungen (52), Zahnärzte (46), Personalvermittler (40), Dachdecker (32), Finanzberater (31) und Elektriker (30). Zusammen also gut ein Drittel des Bestands in sieben von 86 Branchen.

Der lange Schwanz dahinter ist der eigentliche Befund: Die Hälfte der Branchen kommt auf höchstens zwei Vorstellungen. Für eine Auswertung nach Branche und Region reicht das nirgends. Wir rechnen deshalb ausschließlich auf Bundeslandebene — und sagen es dazu, statt eine Karte zu malen, die nach mehr aussieht, als sie weiß.

Wie eine der großen Gruppen im Einzelnen aussieht, siehst du bei den Gebäudereinigern und den Hausverwaltungen.

Was wir bewusst nicht veröffentlichen

Punktzahlen.

Jede dieser 989 Seiten hat einen gemessenen Wert, und aus diesen Werten ließe sich eine Rangliste der Bundesländer bauen. Sie wäre gut zu lesen und falsch. Ein Gesamtwert fasst sechs sehr verschiedene Dimensionen zu einer Zahl zusammen; die Differenz zwischen zwei Bundesländern läge im Bereich dessen, was allein die Auswahl der Betriebe erklärt.

Was zählbar ist, zählen wir: was eine Seite hat oder nicht hat. Eine klickbare Telefonnummer. Ein aktuelles Impressum. Sichtbare Öffnungszeiten. Ein Formular, das ankommt. Das ist prüfbar und kein Urteil — und darum geht es auch in unserem Beitrag über lokales SEO.

Was wir daraus für das nächste Jahr mitnehmen

Drei Dinge, und sie sind alle unbequem.

Wir sehen dorthin, wo wir schon hingesehen haben. Ein Drittel in einem Bundesland ist kein Zufall, sondern eine Gewohnheit — jede Aufnahme in NRW macht die nächste in NRW wahrscheinlicher, weil sie die Nachbarschaft mitbringt.

Die Flächenländer im Norden und Osten sind unterbelegt. Niedersachsen mit 44 Vorstellungen bei acht Millionen Einwohnern ist keine Aussage über niedersächsische Betriebe, sondern eine Lücke in unserem Kalender.

Und: Ein Bestand von 989 Seiten trägt eine Aussage je Bundesland, aber keine je Kombination. Wer nach „Elektriker in Thüringen“ fragt, bekommt von uns keine belastbare Antwort — und bekommt sie besser gar nicht als ungefähr.

Fazit: Die Zahl sagt mehr über uns als über das Land

Ein Drittel NRW, Sachsen vor Bayern, Bremen gleichauf mit Niedersachsen. Das sind keine Landkarten der Digitalisierung. Das ist die Landkarte unserer Aufmerksamkeit.

Wir schreiben sie trotzdem auf, weil sie ehrlicher ist als eine Studie ohne Grundgesamtheit — und weil sie uns zeigt, wo wir das nächste Jahr hinsehen sollten. In Niedersachsen zum Beispiel.

Wer Zahlen veröffentlicht, muss sagen, woher sie kommen. Sonst sind es Behauptungen mit Nachkommastelle.