„Ich brauche keine Website, ich habe Google“
Der Satz kommt oft, und er kommt nicht von Ahnungslosen. Er kommt von Leuten, bei denen es funktioniert: Das Profil ist gepflegt, die Bewertungen sind gut, das Telefon klingelt. Warum also für etwas zahlen, das obendrauf kommt?
Der Einwand ist berechtigt. Wer volle Auftragsbücher hat, braucht keine Broschüre im Netz.
Nur ist das nicht die Frage.
Was in der Lücke zwischen zwei Zahlen steht
Der Bitkom hat für seine Handwerksbefragung 2025, veröffentlicht im Januar 2026, erhoben, dass 88 Prozent der Handwerksbetriebe in Verzeichnissen stehen. Nach Zahlen von Statista, Stand November 2023, haben nur rund 65 Prozent der Betriebe mit einem bis neun Beschäftigten eine eigene Website.
Zwischen diesen beiden Zahlen liegen die Betriebe, die genau das machen, worüber wir hier reden. Sie sind auffindbar, aber die Adresse gehört ihnen nicht.
Gemietet ist nicht dasselbe wie gebaut
Ein Google-Profil ist gemietete Sichtbarkeit: Die Regeln, das Aussehen und die Erreichbarkeit bestimmt Google, nicht der Betrieb.
Das ist keine Warnung vor einem bösen Konzern. Das ist einfach der Vertrag. Ein Profil kann gesperrt werden, weil jemand eine Änderung meldet. Die Darstellung ändert sich, ohne dass du gefragt wirst. Neben deinem Eintrag stehen drei Wettbewerber und irgendwann ein Angebot, für das jemand bezahlt hat.
Der Frisiersalon, dessen Profil im Sommer 2025 zwei Wochen offline war, hat in diesen zwei Wochen nichts falsch gemacht. Er hatte nur nichts anderes. Wie andere Salons ihre Seiten aufgebaut haben, siehst du bei den Friseuren.
Was die Website kann, was das Profil nicht kann
Sie beantwortet die zweite Frage.
Das Profil beantwortet die erste: Wo, wann offen, wie gut bewertet. Danach kommt die Frage, die über den Auftrag entscheidet — kannst du meinen Fall? Der Altbau von 1910. Die Angst vorm Zahnarzt. Der Notdienst am Sonntag. Dafür braucht es Sätze, und Sätze passen nicht in einen Eintrag.
Und sie ist die Quelle, aus der alles andere schöpft. Was in Verzeichnissen steht und was eine KI über dich sagt, stammt am Ende von einer Seite. Wenn es deine ist, stimmt es öfter. Wie sich das auf das Gefundenwerden auswirkt, steht in unserem Beitrag über lokales SEO.
Fazit: Behalt das Profil. Aber nicht als einziges
Das Google-Profil ist kein Fehler. Für viele Betriebe ist es der wirksamste einzelne Eintrag im Netz, und wer es nicht gepflegt hat, fängt genau dort an — warum das reicht, um vorn zu stehen, und warum es trotzdem nicht genügt, steht in unserem Beitrag darüber, warum du bei Google weit hinten liegst.
Die Frage ist nicht, ob du Google brauchst. Die Frage ist, was übrig bleibt, wenn Google morgen etwas ändert.
Ein Eintrag ist eine Adresse in fremden Büchern. Eine Website ist deine.
Titelbild: Zeynep Sude Emek auf Pexels
Wie sichtbar bist du außerhalb von Google?
Wir sehen uns an, was von deinem Betrieb im Netz steht, wenn man Google einmal weglässt — und was davon dir gehört.